Dr. Wolfgang Cozzarini & Dr. Andreas Pribasnig A-2000 Stockerau, Judithastraße 8 | Telefon: 02266 62800

Facharztpraxis für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie und Nephrologie - Alle Kassen



Herzklappenerkrankungen und „Herzfehler“

Häufig führt ein bei einer körperlichen Untersuchung beim Arzt gehörtes Herzgeräusch zur Verdachtsdiagnose eines „Herzfehlers“, bzw. werden die Patienten bei Symptomen wie Leistungsverlust, Atemnot, Schwindel oder Ohnmachtsanfällen von uns untersucht und die Verdachtsdiagnose eines "Herzfehlers" gestellt.

Die genaue Diagnose und der exakte Schweregrad des Herzfehlers wird dann üblicherweise mit der Echokardiographie ermittelt. 

Entscheidend für das weitere Vorgehen sind zumeist die Beschwerden des Patienten, aber auch die Auswirkungen des Herzklappenfehlers auf den Herzmuskel, sowie weitere prognostische Faktoren.


Ein kleiner Ausflug in die Anatomie des Herzens:

Das sauerstoffreiche Blut gelangt von den Lungenvenen in den linken Herzvorhof (Blutreservoir) – durch die Mitralklappe fließt es nun in die linke Kammer, welche dann das Blut durch die „Aortenklappe“ in die Hauptschlagader (Aorta) über die Arterien zu den Organen pumpt (und den Blutdruck und den  Puls erzeugt). Von den Organen (z.B. Gehirn, Nieren, …) und den Muskeln fließt das Blut, nachdem es den transportierten Sauerstoff abgegeben hat, über die Venen zurück zum rechten Vorhof, über die „Tricuspidalklappe“ in die rechte Kammer und von der rechten Kammer wird das Blut durch die „Pulmonalklappe“ in die Lungenarterie ausgeworfen, die Lunge durchströmt und das Blut mit Sauerstoff angereichert (dann beginnt der Kreislauf erneut).

Die Herzklappen sind „Ventile“ welche den Blutstrom nur in eine Richtung erlauben. Leider können diese extrem beanspruchten „Ventile“ oft Funktionsstörungen entwickeln  – Undichtigkeit und/oder  Verengung (durch „Verkalkung“) – dies tritt zumeist schicksalshaft auf.


Die wichtigsten Herzklappenfehler:

  • Die Aortenstenose:
    Der häufigste Herzklappenfehler wird oft ab dem 60. Lebensjahr entdeckt. Aufgrund von jahrelanger Verkalkung einer meist vorveränderten Klappe kommt es langsam zur zunehmenden Verengung der Aortenklappe .  Das Herz schafft es jahrelang kräftiger zu pumpen, um das Blut (des gesamten Körpers) durch die enge Klappe in die Hauptschlagader auszuwerfen. Später gelingt dies nur mehr teilweise. Meist kommt es erst nach vielen Jahren zu Beschwerden wie Schwindel, Atemnot, Herzschmerzen und Ohnmachtsattacken. Wenn durch die Aortenstenose Beschwerden auftreten, muss die Klappe allerdings rasch operiert werden, da sonst die Lebenserwartung des Patienten stark eingeschränkt ist.
  • Die Aortenklappeninsuffizienz:
    Eine (schwere) Undichtigkeit  der Aortenklappe hat zur Folge, dass ein Teil des Blutes von der Hauptschlagader (Aorta) in die linke Herzkammer zurückfließt. Die linke Herzkammer muss bei jedem Herzschlag dieses Mehr an Blutvolumen wieder auswerfen, was sie jedoch oft über Jahrzehnte recht gut schafft. Durch das vermehrt beförderte Blutvolumen wird die Kammer immer größer. Erst bei ersten Anzeichen der Ermüdung der Herzkammer oder bei Symptomen wird eine Klappenoperation empfohlen.
  • Die Mitralklappeninsuffizienz:
    Bei schwerer Undichtigkeit der Mitralklappe (mehrere Ursachen) kommt es zu einem beträchtlichen Zurückfließen des Blutes aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof. Durch das vermehrte „Pendelblut“ kommt es zur Vergrößerung der linksseitigen Herzhöhlen und es kann auch zu Ermüdungserscheinungen der Herzkammer führen (Symptome Atemnot, Wasser, …). Um diesen Zeitpunkt rechtzeitig zu erkennen und keine notwendige Operation zu verzögern, sollten regelmäßige Kontrollen mit Echo erfolgen.
  • Der Mitralklappenprolaps: bei angeborener Bindegewebsschwäche. Das Durchhängen der Mitralklappe in den linken Vorhof, kann zu ungenügendem Klappenschluss führen. Häufig glücklicherweise nur gering ausgeprägt.
  • Die Mitralklappenstenose: Zunehmende Verengung der Mitralklappe, häufig nach einem stattgehabten rheumatischen Fieber in der Jugend auftretend. Heutzutage relativ seltener Herzfehler. Der Durchfluss des Blutes vom linken Vorhof in die linke Kammer wird behindert, was zu einem Rückstau des Blutes in den Lungenkreislauf  und zur Belastung der rechten Herzhälfte führt (Symptome: Atemnot, Wasser, ...). Neben einer Operation kann diese Klappe auch in manchen Fällen aufgedehnt werden („Klappensprengung“).
  • Die Pulmonalklappeninsuffizienz:
    mangelhafte Schlussfähigkeit der Klappe zur Lungenhauptschlagader - das zur Lunge gepumpte Blut fließt teilweise wieder zurück in die rechte Herzkammer. Nur selten relevant ausgeprägt.
  • Die Pulmonalstenose:
    die Verengung zwischen rechter Herzkammer und Lungenschlagader ist ein sehr seltener angeborener Herzfehler, der aber ein lautes Herzgeräusch macht.
  • Die Trikuspidalinsuffizienz:
    Undichtigkeit der Trikuspidalklappe; das Blut fließt teilweise von der rechten Kammer wieder in den rechten Vorhof zurück. Eine leichte Trikuspidalinsuffizienz liegt bei vielen Menschen vor und hat keinen Krankheitswert. Zumeist ist die schwere Undichtigkeit dieser Klappe ein „Symptom“ einer Belastung des rechten Herzens (z.B. durch Bluthochdruck im Lungenkreislauf).
  • DieTrikuspidalklappenstenose:
    Die Verengung der Klappe zwischen rechtem Vorhof und Herzkammer ist sehr selten und kommt zumeist nach rheumatischem Fieber vor.
  • Vorhofseptumdefekt: 
    Loch in der Scheidewand zwischen dem linken und rechten Vorhof. Durch die „ Kurzschlußdurchblutung“ kommt es zu einer Belastung der rechten Herzhälfte. Fallweise wird dieser zumeist angeborene Herzfehler erst im Erwachsenenalter entdeckt und muss manchmal operativ oder mit „Schirmchen“ mittels „Herzkatheter“ verschlossen werden.
  • Ventrikelseptumdefekt: Der Defekt der Scheidewand zwischen linker und rechter Kammer führt neben einer Belastung des rechten Herzens überwiegend zu einer Belastung mit Vergrößerung der linken Kammer. Zumeist angeboren – selten akut nach Herzinfarkt. Je nach Schweregrad oft OP oder fallweise Verschluss mit „Schirmchen“ notwendig.
  • Auch sonst gibt es viele weitere zumeist angeborene aber glücklicherweise selten auftretende Herzfehler, deren Beschreibung aber diesen Rahmen überschreitet.


Wie werden die Herzklappenfehler behandelt?

Die Therapie hängt vom Schweregrad des Klappenfehlers ab. Oft ist über lange Zeit (Jahre bis Jahrzehnte) gar keine Therapie notwendig. Wichtig sind jedoch regelmäßige Verlaufskontrollen mit Symptomerhebung, Leistungsstatus und Echokardiographie. Die Zeitabstände dieser Kontrollen sind vom Schweregrad der Erkrankung abhängig und sollten nicht versäumt werden. Dazu sollten immer die letzten Vorbefunde vorhanden sein, damit der Arzt ein Fortschreiten der Erkrankung einschätzen kann.  Aus diesem Grund bringen sie bitte vorhandene alte Befunde zur Untersuchung mit, falls diese bei einem anderen Arzt erhoben wurden.

Endokarditis Prophylaxe: in Folge chirurgischer Eingriffe besonders im Zahnbereich (weniger im Darm, Urogenitaltrakt, HNO Trakt)  werden die dort lebenden Bakterien ins Blut eingeschwemmt, jedoch zumeist ohne Schaden anzurichten.

Bestimmte Patienten mit krankhaft veränderten Klappen und manchen angeborenen Herzfehlern (insbesondere bei operierten Herzklappen) haben jedoch ein erhöhtes Risiko an einer Herzklappenentzündung  (Endokarditis) zu erkranken, da sich diese Bakterien an der Klappe festsetzen können. Aus diesem Grund wird bei diesen Risikopatienten bei Operationen, v.a. im Zahnbereich (auch schon bei Zahnhygiene!)  eine Endokarditis-Prophylaxe, (eine antibiotische Vorbeugung von bakteriellen Entzündungen) empfohlen. Der Ausweis für solche Risikopatienten mit der genauen Dosierung und dem Zeitpunkt der Einnahme dieser Antibiotika vor Operationen wird von uns ausgestellt.
Bei Auftreten von Beschwerden durch die Klappenveränderung oder bestimmten, meist im Ultraschall erhobenen Befundveränderungen, ist manchmal der Einsatz von medikamentöser Therapie für längere Dauer ausreichend (z.B. Entwässerung).

Wichtig ist es die Notwendigkeit einer Operation  bzw. den richtigen Zeitpunkt  für eine Operation im Sinne einer Rekonstruktion (operative Reparatur) oder eines Klappenersatzes auszuwählen. In einigen seltenen Fällen lässt sich eine Herzklappenverengung (Stenose) durch einen Ballon dehnen, man nennt das Valvuloplastie.

Vor kurzer Zeit wurde eine neue Technik der Behandlung von Aortenklappenstenosen ohne Eröffnung des Brustkorbes entwickelt. Mit einem, z.B. über die Leistenarterie eingeführten Katheter wird eine künstliche Herzklappe durch die verenge Klappe geschoben und dann mittels Ballonaufdehnung implantiert. Dieses Verfahren heißt TAVI (transaortale Aortenklappenimplantation). Diese Operation wird derzeit nur bei streng ausgewählten, zumeist allgemein sehr kranken Patienten durchgeführt.

Wenn eine künstliche (mechanische) Klappe implantiert werden muss, ist eine Blutverdünnung ab der Operation lebenslänglich notwendig. Es ist dann streng darauf zu achten, dass  immer eine ausreichende Verdünnung des Blutes vorliegt, um Blutgerinnselbildung an der künstlichen Klappe zu vermeiden. Falls man die Blutverdünnung mittels Tabletten pausieren muss (z.B. vor und bei Operationen) ist es notwendig , stattdessen heparinartige Blutverdünnungsmedikamente zu injizieren. Beim Klappenersatz durch eine biologische Herzklappe ist langfristig keine Blutverdünnung notwendig, außer es besteht ein anderer medizinischer Grund hierfür.

Die Entscheidung zur Operation muss gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden und wird in jedem Fall individuell beurteilt.
Wird ein schwerer Klappenfehler nicht behandelt, führt er so gut wie immer zu starken Beschwerden sowie letztendlich zu Herzversagen, - dies gilt es gemeinsam zu verhindern!!!