Dr. Wolfgang Cozzarini & Dr. Andreas Pribasnig A-2000 Stockerau, Judithastraße 8 | Telefon: 02266 62800

Facharztpraxis für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie und Nephrologie - Alle Kassen



Langzeitbetreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz

Herzschwäche bzw. Herzversagen ist ein Syndrom, welches durch eine verminderte Auswurfleistung bzw. Pumpfunktion des Herzens ausgelöst wird. Die häufigsten Ursachen für eine verminderte Herzleistung sind Durchblutungsstörungen des Herzens, ein jahrelang bestehender, ungenügend behandelter hoher Blutdruck, diverse Herzmuskelerkrankungen, Herzmuskelentzündungen und immer häufiger Herzklappenerkrankungen.
Durch die verminderte Herzleistung kann die Durchblutung der lebenswichtigen Organe nur mit deutlich erhöhter „Anstrengung“ des Herzens aufrechterhalten werden, wobei es bei besonders schweren Formen von Herzschwäche wirklich zu einer Minderdurchblutung der Organe kommen kann.

Die typischen Symptome der Herzschwäche sind Atemnot, rasche Ermüdung sowie Überwässerung des Körpers (Wasser im Unterhautgewebe der Beine, Wasser in der Lunge sowie im Rippenfellraum). Die Wasserbindung im Körper entsteht überwiegend durch eine hormonelle Gegenregulation. Insbesondere werden von den zu wenig durchbluteten Nieren diverse Hormone ausgeschüttet, welche zu einer verminderten Salz- und Wasserausscheidung führen. Häufig treten auch bei geschädigtem Herzen diverse Herzrhythmusstörungen auf, welche einerseits Ursache von unangenehmen Symptomen sein können (Herzrasen, Ohnmachtsattacken), andererseits manchmal auch zum plötzlichen Tod des Patienten führen können.

Zusammenfassend ist eine Herzschwäche leider eine schwere Erkrankung, welche unbehandelt die Lebenserwartung sehr stark einschränkt. Durch eine optimale Therapie, welche auch gewissenhaft vom Patienten angewendet wird, können die Symptome deutlich verbessert und die Lebenserwartung gesteigert werden.

Folgende Punkte sollten Sie besonders beachten:

Medikamentöse Therapie:

die meisten der Medikamente zur Behandlung der Herzschwäche haben in diversen großen Studien eine hervorragende Wirksamkeit bewiesen, aber nur dann, wenn sie wirklich regelmäßig, d.h. täglich nach exakter Dosierungsvorschrift angewendet werden!

Folgende Medikamente werden zur Behandlung einer Herzschwäche häufig eingesetzt:

  • ACE-Hemmer: Gefäßerweiternd und damit das Herz entlastend, zusätzlich direkte Verbesserung der Herzmuskelfunktion, Gegensteuerung der hormonellen Überproduktion.
    Häufige Nebenwirkungen: Reizhusten (10%), Absenkung des Blutdrucks und Anstieg der Nierenwerte (diese Nebenwirkungen können in gewissen Grenzen unter ärztlicher Kontrolle toleriert werden), Allergische Symptome.
  • Angiotensin II-Rezeptorblocker: Wirkung ähnlich wie ACE-Hemmer, kaum Auftreten von Reizhusten, - zumeist bei Unverträglichkeit von ACE- Hemmern eingesetzt, teurer
  • Betablocker: Verlangsamung der Herzfrequenz, dadurch „bessere Erholung des Herzens“, Abschwächung der Wirkung von Stresshormonen auf das Herz und damit Verminderung von Herzrhythmusstörungen.
    Nebenwirkungen:  manchmal zu langsamer Herzschlag, Blutdruckabsenkung, manchmal Verstärkung eines echten Asthma bronchiale (keine Verschlechterung einer chronischen Bronchitis).

    Die bisher erwähnten Medikamente sollten so hoch wie möglich (d.h. von Ihnen toleriert  und vom Arzt festgelegt) dosiert werden, um eine optimale Wirkung zu erreichen. Die beste Verträglichkeit dieser Medikamente wird erreicht, wenn die Dosis langsam in vom Arzt festgelegten Intervallen gesteigert wird (typisches Intervall 2 Wochen).
  • Entwässerungstherapie: zur Ausschwemmung des erhöhten Körperwassers und Verbesserung von Symptomen (Atemnot). Da entwässernde Medikamente jedoch nebenwirkungsreich sind (Elektrolytstörungen, dadurch Förderung von Rhythmusstörungen, Förderung von Gicht, eventuell Verschlechterung der Stoffwechsellage beim Diabetiker) sollten Sie gerade so hoch wie nur nötig dosiert werden. Falls vom betreuenden Arzt mit Ihnen besprochen, kann die Dosis innerhalb gewisser Grenzen von Ihnen selbst gesteigert und auch gesenkt werden (je nach Befinden und insbesondere Körpergewicht).  
  • Digitalispräparate:diese alten Medikamente wirken etwas „herzstärkend“, allerdings nicht in dem Ausmaß wie z.B. ACE-Hemmer und „herzbremsend“, müssen allerdings exakt dosiert werden, wobei fallweise eine Medikamentenspiegelkontrolle im Blut notwendig ist.  Die vorgeschriebene Medikation muss strikt eingehalten werden, da leicht eine Überdosierung mit starken Nebenwirkungen auftreten kann. ( zu langsamer Herzschlag ...)
  • Blutdrucksenkende Mittel: Falls ein Bluthochdruck vorliegt, ist es ganz wichtig, dass die vorgeschriebenen Blutdrucksenkenden Mittel regelmäßig eingenommen werden um den Blutdruck in den Zielbereich < = 130/80 mmHg zu senken.

Sonderfälle: Bei Auftreten von schweren zusätzlichen Erkrankungen wie z.B. ausgeprägtem Durchfall, der mit starkem Flüssigkeitsverlust einhergeht, kann es manchmal notwendig sein, die entwässernden und auch alle blutdrucksenkenden Medikamenten in der Dosis zu reduzieren bzw. zu pausieren - optimalerweise nach ärztlicher Rücksprache.

  • Bei manchen Patienten ist die Implantation eines speziellen Herzschrittmachers zur Verbesserung der Pumpfunktion des Herzens und/oder eines internen Defibrillators (Defi) zur Verhinderung von bösartigen Rhythmusstörungen zu empfehlen.

Folgende Punkte sollten noch bedacht werden:

  • Da Rauchen zu einer weiteren Durchblutungsverminderung der Organe führt, sollte dies insbesondere bei Herzschwäche eingestellt werden.
  • Der Blutdruck sollte vom Patienten täglich zumindest einmal gemessen werden, besonders bei Hochdruckpatienten.
  • Bei deutlichem Übergewicht sollte eine langsame Gewichtsreduktion zur Herzentlastung angestrebt werden
  • Falls Sie unter erhöhtem Blutzucker (Diabetes) leiden sollten, sollte eine sehr gute Stoffwechseleinstellung mit täglicher Blutzuckerselbstkontrolle erfolgen, um ein weiteres Fortschreiten der Herzschwäche zu vermeiden.
  • Falls vom Arzt angeraten, sollte die Kochsalzzufuhr eingeschränkt werden. Übermäßiger Kochsalzkonsum  („ Nachsalzen“) soll auf jeden Fall vermieden werden. Zu viel Salzzufuhr begünstigt die Überwässerung des Körpers.
  • Stark vermehrte Flüssigkeitszufuhr sollte vermieden werden, um das geschwächte Herz nicht zu überlasten.In manchen vom Arzt festgelegten Fällen muß eine maximale Flüssigkeitszufuhr von 1,5 – 2 l/Tag eingehalten werden.
  • Alkohol sollte nur in geringen Mengen genossen werden (wir empfehlen maximal 2 Drinks – z.B. 2/8 l Wein/Tag). Bei Patienten, bei welchen ein stark erhöhter Alkoholkonsum zur Herzschwäche geführt hat, ist Alkohol komplett zu vermeiden.
  • Darüber hinaus sollte man sich ausgeglichen und  vitaminreich ernähren; eine Unterernährung ist besonders schlecht bei schwachem Herz.
  • Nach vorheriger ärztlicher Rücksprache sollte regelmäßig (trotz Herzschwäche) eine körperliche Betätigung durchgeführt werden, zumindest dreimal pro Woche eine leichtere körperliche Belastung, wie z.B. 30 Minuten Spazierengehen. Bei manchen Patienten wird es auch möglich sein, nach einer vorangehenden Belastungsuntersuchung einen individuellen Trainingsplan festzulegen. Regelmäßige körperliche Betätigung/Training hat in diversen Studien zu einer deutlichen Symptomverbesserung und Verlängerung der Lebenserwartung geführt !
  • Eine jährliche Grippeimpfung sowie eine zumindest einmalige Pneumokokken Schutzimpfung wird von uns empfohlen, da solch schwere Infektionen sehr häufig zu einer weiteren Verschlechterung der Herzfunktion  führen.
  • Häufig treten bei Patienten mit schwerer Herzschwäche nächtliche Atemstörungen auf („Atemaussetzer im Schlaf“).Falls dies bei Ihnen beobachtet wurde, teilen Sie es uns bitte  mit, da dies behandelt werden sollte ( die Behandlung führt oft zu einer Verbesserung der Herzfunktion)
  • Da Herzschwäche eine schwere Erkrankung ist, werden dadurch leider häufig depressive Verstimmungen ausgelöst. Wenn Sie dementsprechendes bemerkt haben, scheuen sie sich nicht, dies uns mitzuteilen, da es auch hierfür gute Therapiemöglichkeiten gibt.

Bei Beachtung der obgenannten Punkte ist es meistens gut möglich, das Syndrom „Herzschwäche-Herzinsuffizienz“ in den Griff zu bekommen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.